D&O-Underwriting von 0 auf 100

In den vergangenen Monaten – und speziell bei den Vertragsverlängerungen zum 1. Januar 2021 – haben sich die „Spielregeln“ in der Managerhaftpflichtversicherung teilweise gravierend und oftmals ohne Vorwarnung geändert. Die Ansprache einiger Anbieter hat sich in kürzester Zeit von einem „Darf es noch etwas mehr sein?“ zu einem „Nein, das machen wir nicht!“ gewandelt. Als D&O-Spezialversicherer sind wir der Meinung, dass beide kategorischen Ansätze nicht zielführend sind und einer nachhaltigen Kundenverbindung im Wege stehen.

In Bezug auf das erste Extrem haben in den vergangenen Jahren viele Marktteilnehmer im gegenseitigen Wechselspiel den ursprünglichen Gedanken aus den Augen verloren und die weitestgehend bedarfsgerechte Vermögenschadenhaftpflicht für Unternehmensleiter in eine Allgefahrendeckung umgewandelt. Bespielhaft und fast als Anekdote sei die Leistung von Kosmetikutensilien für Versicherte in U-Haft genannt. Solche Gimmicks sind allerdings nicht der Grund dafür, warum der Markt sich so rasant wandelt. Getrieben vom Wachstumsdruck haben viele Gesellschaften – neue wie alteingesessene – im Laufe der letzten Jahre die Disziplin verloren: Individuelles Underwriting war nicht mehr en vogue.

Prämien wurden im Sog des allgemeinen Abwärtstrends jährlich angepasst; Versicherungssummen wurden prämienneutral erhöht, als wenn Kapazität keinen Preis hätte; das Ganze auf stetig erweiterten – oder sollen wir lieber auf „verwässerten“ sagen – Standard-Bedingungswerken für Jedermann. Allen war klar, dass dies einmal ein Ende haben würde, nur nicht wie und wann.

Nun haben wir in den vergangenen Monaten erlebt, wie bei vielen Marktteilnehmern ein abruptes Umdenken eingesetzt hat: Es folgte das nächste Extrem. In Fachartikeln wird berichtet, dass gravierende Vertragsänderungen teilweise „nach dem Gießkannenprinzip“ vorgenommen wurden.  Aus Makler- und Verbandsgremien wird kolportiert, dass ganze Branchen in „Sippenhaft“ genommen werden und dass gewisse Risiken gar nicht mehr versicherbar seien. Prämien wurden pauschal (teilweise im dreistelligen Prozentbereich) erhöht, Kapazitäten drastisch gesenkt.

Es mangelt an Expertise und Kommunikationsfähigkeit

Eine solch extreme Entwicklung lässt sich aus unserer Sicht nur mit dem Mangel an technischer Expertise und dem Verlust der Underwriting-Disziplin erklären. Hat man als Versicherer nicht die Fähigkeiten, Risiken individuell zu bewerten und im Dialog mit den Kunden Lösungen zu finden, muss man irgendwann zwangsläufig die Reißleine ziehen und pauschale Lösungswege einschlagen. Hinzu kommt eine mangelnde Kommunikationsfähigkeit bei schwierigen Themen.

Als Berkley verfolgen wir seit jeher den Ansatz, gemeinschaftlich mit unseren Partnern und Kunden Lösungen zu finden.

Natürlich ist dies in einem Käufermarkt nicht ganz so attraktiv, aber wenn sich der Wind dreht – wie es derzeit der Fall ist – wird unsere Expertise und unsere transparente Kommunikation sehr wertgeschätzt. Das heißt nicht, dass Anbieter wie wir im Bereich D&O alles versichern. Aber wir schauen uns zu jederzeit und losgelöst vom Marktzyklus Risiken an und prüfen im Dialog mit unseren Partnern und Kunden die Versicherbarkeit.

Rechtzeitige und transparente Kommunikation

Beispielhaft können wir hier den Bereich des Profisports nennen. Anders als andere Anbieter stigmatisieren wir nicht eine ganze Branche und kündigen Teilbestände, sondern schauen uns individuell die Situation der Kunden an und versuchen, tragbare Lösungen zu finden. Dabei ist die rechtzeitige und transparente Kommunikation besonders wichtig: Nur ein Kunde, der auch nachvollziehen kann, warum es Änderungen gibt, wird nachhaltig Vertrauen in den Versicherer haben, in guten wie in schlechten Zeiten.

Abschließend erlauben Sie uns noch eine Bemerkung zum Thema „Gießkannenprinzip“. Wir würden es begrüßen, wenn auch gegenüber D&O-Versicherern eine individuelle Betrachtungsweise seitens der Presse und Interessenverbände stattfinden würde. Wir sind nicht alle gleich. Wir befinden uns in stürmischen Zeiten. Gemeinsam meistern wir diese.

José David Jiménez García ist CEO und Managing Director Deutschland bei W. R. Berkley Europe. Bernhard Wiemann ist Vertriebsleiter bei der W. R. Berkley Europe in Deutschland.